PERSPEKTIVEN FÜR DEN STATIONÄREN HANDEL

1.0      Mut zur Innovation

Neu orchestrieren heißt es so schön. Es wird wohl nicht reichen, um den Handel aus der Krise zu führen. Es greift zu kurz. Denn schon vor Corona hatte der Einzelhandel deutlich Probleme in den Innenstädten und ganz besonders in den Mittelstädten. 

Die Verbandsmitglieder im Handel sprechen davon, den Spannungsbogen neu zu definieren, neue Risikopartnerschaften zwischen Mieter und Vermieter zu initiieren. Und dann folgt vehement als Folge des Lockdowns, die Forderung an die Städte und Kommunen, sich stärker zu engagieren. 

  • Der Handel braucht zur Unterstützung eine politische Willensbildung, so heißt es, letztlich auch zur Rettung der Innenstädte.
    Schnell kommt der Ruf nach einem 
    Transformationsmanagement, nach neuen Steuerungsformen
    Der Wunsch nach einer neuen hilfreichen „
    Allianz unter den Akteuren“ macht die Runde und die blanke Verzweiflung ist bei den Betroffenen unverkennbar. 

Soweit ist alles nachvollziehbar, aber wer die Realitäten einer städtischen oder kommunalen Verwaltung kennt, wird skeptisch sein. Die allerorts chronische Überlastung, die unsäglichen Abstimmungsprozesse, die Suche nach einem einigermaßen funktionierenden Ausgleich der Interessensgruppen zwischen Bürgern, Unternehmer, Eigentümer/Vermietern, Mietern…, die unterschiedlichen parteipolitischen Zukunftsmodelle und letztlich die knappen Ressourcen, machen die Realisierung einer schlagkräftigen Allianz fast schon im Ansatz wieder zu Nichte. Wer darauf seine Hoffnung setzt, wird dies erkennen müssen und leider zu dem Schluss kommen, so schnell wird sich nichts verändern lassen. Doch der Handel hat, letztlich durch Corona, wahrlich keine Zeit mehr zu verlieren und untätig darauf zu warten, dass sich in der Politik und in der Stadtverwaltung etwas rasch ändern wird. 

  • Die bittere Konsequenz dürfte sein, dass der stationäre Handel vieles von seinen berechtigten Forderungen selbst in Eigeninitiative in die Hand nehmen muss und vor allem erkennen sollte, es gibt gute Chancen für einen Neustart, die es zu nutzen gilt.  

Also die vielen innovativen Ideen für eine nachhaltige Realisierung auf den Prüfstand zu stellen. Komplett neu zu denken und weiterhin neue Konzepte für die Zukunft des stationären Handels voranzutreiben, – letztlich so bitter es klingt, um zu überleben. 

Gleiches gilt und galt für die Autoindustrie. Wer heute noch ausschließlich auf den Verbrennungsmotor setzt und die umfassende Bedeutung der Digitalisierung nicht richtig in seiner Maßgeblichkeit für seinen zukünftigen Absatz erkennt, wird schlichtweg vom Käufer bestraft. Und ähnlich gilt es für den Handel, der sich dieser digitalen Herausforderung für einen kompletten Umbau seiner Verkaufsstrukturen stellen muss. Wohl im Verbund und in Partnerschaft.

Die pandemischen Begleitumstände wirken heute wie ein Turbo. Doch müssen wir sie von den vorher bereits existierenden strukturellen negativen Auswirkungen trennen. Dazu gehört es genau hinzuschauen, was im Handel bereits vorher schon nicht optimal gelaufen ist.

2.0     Eine überbordende Luxuswarenwelt findet ein Ende – Nachhaltigkeit ist gefragt

Nüchtern betrachtet haben viele „sinnlose Produkte“ in den vergangenen Jahren die Schaufenster gefüllt. Bei der heranwachsenden Jugend wird Vieles von dem nicht mehr ohne Widerrede akzeptiert. 

CO2 Belastungen in den Cities, aber auch die sich langsam eingeschlichene Billigwarenproduktion in Fernost, hergestellt unter teilweise menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen. Das Lieferkettengesetz weckt Hoffnung, ob es etwas wirksam verbessern wird, bleibt aber ein großes Fragezeichen. Allein in Bangladesch sollen heute noch ca. 80% der Welttextilverarbeitung stattfinden.

Gerade durch den noch niedrigen asiatischen Lebensstandard und der Vergleichsweise kostengünstigen Produktion sind diese Importe zur „Ramschware“ in Europa verkommen. Es fehlt an der integrierten Gesamtrechnung, denn jedes Produkt, dass nicht mehr in Europa gefertigt wird, bedroht Arbeitsplätze und kann nur durch eine hiesige permanente Umstrukturierung aufgefangen werden.  

So bleibt dem stationären Handel nur noch die Chance, durch Tiefpreisangebote eine möglichst große Menge an Waren umzusetzen. Nicht selten werden zum Ende der Saison 40 Prozent und mehr der eingekauften Waren in der Konfektion schlichtweg einfach vernichtet. Diese unglaubliche Menge an uns überflutenden Waren hat unseren ursprünglichen Qualitätsanspruch von Jahr zu Jahr schleichend zunichte gemacht.  

  • Für den stationären Handel kommt erschwerend die enorme Ausdifferenzierung der Produkte hinzu. Allein in der Handyproduktion bieten die Hersteller eine Vielzahl von Varianten über Farbe, Größe, Speicherkapazität, verschiedene Tariflaufzeiten und vieles mehr an. 

Der stationäre Händler kann gegenüber dem online Handel hier nicht mithalten. Denn diese Warenmenge kann er in seinem Store nicht vorhalten. Hier hat der stationäre Handel in den letzten Jahren deutlich an Terrain verloren. Zu dieser Überlastung durch die wachsende Komplexität der Produktvarianten kommt zusätzlich die Dynamik von Kommen und Gehen von Marken.  Die Vielzahl der Produkthersteller und ihrer Sortimente ob Pflicht oder Kür kann der einzelne Händler kaum noch im Vertrieb glaubwürdig vertreten.  Diese Vielfalt wird auch das jeweils größte Kaufhaus der Welt nicht anbieten können. Der online Handel kann dieses jedoch leisten ohne die Beschränkungen teurer innerstädtischer Standortlagen. Nicht nur aus diesem Grund ist eine konsequente Neuausrichtung für viele Stores überfällig.  

3.0     Chancen erkennen und konsequent umsetzen

Die größte Stärke für den stationären Handel wäre eine hohe Servicequalität. 

  • Eine hervorragende Kompetenz in der Beratung. Diese wurde jedoch in den Jahren aufgrund des zunehmenden Kostendrucks immer weiter abgebaut. 

Also womit sollte der stationäre Handel noch Punkten? 

Der Shop mit einem innovativen Ambiente, die greifbare Haptik der Präsentation des Produktes, eine parallele problemlose, zeitnahe online Lieferung und vielleicht nicht zu unterschätzen, eine so wichtige persönliche Bindung zwischen Kunden und Verkäufer, die sich über Jahre hinweg aufgebaut hat und die so manches verzeiht oder leisten kann auf Basis intensiver, gewachsener Kompetenz in der höchst individuellen Beratung und Entlastung des einzelnen Kaufinteressenten beim Entscheidungsprozess.

Aber passt dies noch bei den großen Filialisten in das Konzept des Personalmanagements und Recruitings und nicht zuletzt kurzfristiger Renditeerwartung der Eigener, bzw. Aktionäre?

Hier hat sich in den letzten Jahren ein Trend als Abwärtsspirale aufgetan, den es nicht so einfach sein wird, wieder umzukehren. Es wird darauf ankommen die Vorteile des stationären Einkaufs viel stärker auch im Bewusstsein des Kunden zu verankern. Hier hilft sogar die aktuelle Pandemie, denn sie vergegenwärtigt, dass zwar Einkauf im online Handel immer problemloser wird, aber dennoch etwas fehlt, was wir vielleicht als menschliche Urbedürfnisse des Miteinander, der direkten Kommunikation bezeichnen würden. 

4.0     Der Marktplatz Innenstadt als Begegnungsstätte bleibt

Der klassische Marktplatz wird immer als Erlebniszone bleiben. 

  • Die Innenstadt wird unser großer Marktplatz für immer sein. Aber dabei wird es weniger um den reinen vordergründigen zeitgleichen Warenumsatz am Ort gehen. Die reine sofortige Übergabe der Ware rückt dabei in den Hintergrund.

Auch hier wird uns die Pandemie, so ungewöhnlich es klingt, helfen, dieses schneller zu erkennen. Sie hat uns gezeigt, wie armselig es ist, in leeren Innenstädten ziellos herum zu laufen und macht uns bewusst, welche hohe Bedeutung eine erlebnisreiche Innenstadt für uns Alle bedeutet. Es kommt auf die Konnektivität der Aktivitäten, auf die Vielfalt des Erlebnisfaktors einer Innenstadt an. Und dazu gehören viele Parameter. 

5.0     Hierfür braucht es Partnerschaften

Daher ist der Ruf nach Partnerschaften und Allianzen unumgänglich, um gemeinsam zu nachhaltigen innovativen Lösungen zu kommen. Unsere allgemein zunehmende Digitalisierung wird eine entscheidende Rolle spielen. Und dies gilt insbesondere auch deshalb, da wir befürchten müssen, dass uns – veranlasst durch die Mutationen des Virus – Corona in den nächsten Jahren noch weiter begleiten wird. 

  • In der Konsequenz bedeutet es eine ganzandere räumliche „Überwachung und Sicherung“ des innerstädtischen Raumes. 

In Asien können wir diese Auswirkungen bereits deutlich verfolgen. In Asien ist es gelungen, dort wo die digitale Überwachung weiter ausgebaut ist, die Pandemie schneller und effizienter einzudämmen. Doch der Verlust an persönlichen Daten ist unweigerlich damit verbunden.

Der stationäre Handel wird sich diesem Thema stellen und Position beziehen müssen. Somit bekommt der Begriff Smart City eine erweiterte pandemische Bedeutung. Es verbindet sich damit eine neue Brisanz in der Diskussion über Datenschutz. Wie schnell diese Veränderungen erfolgen, ist kaum abzuschätzen, aber erste Anfänge sind zu erkennen.

6.0     Innenstadt | Special point of sale 

Der stationäre Handel wird die Erfolgszuwachsraten der letzten Jahrzehnte wohl nicht wieder so schnell erreichen. Ähnlich wie im Bankenwesen wird dies bedeuten, nicht mehr nur ausschließlich bei Privatkunden das Kerngeschäft in den Gebühren und der Kreditvergabe zu sehen, sondern neue Geschäftsfelder zu erschließen. 

  • Somit braucht der stationäre Handel ein komplettes Re-Launche seiner Dienstleistungspalette, die sich auch aus der Einmaligkeit der Zentralität des Standortes ableitet und deshalb auch nur dort ohne Konkurrenz unvergleichbar angeboten und nachgefragt werden kann. 

Hierin liegt sein absoluter Vorteil wie auch Chance. Die Innovationsherausforderungen sind riesig. Erfolgt dies nicht, wird sich die Schere weiter öffnen. 

Die Zuwachsraten im Handelsumsatz der letzten Jahre waren ermutigend. Insgesamt betrug das Wachstum im Jahr 2019 nahezu 27 Prozent, dieses Wachstum war aber überwiegend auf den online-Handel zurückzuführen. Erstaunlich ist, dass während des Lockdowns gerade die Schuhgeschäfte, zu den eindeutigen Verlieren gehören. Als Reaktion auf diesen Strukturwandel war eine massive Filialnetzbereinigung die häufigste Antwort.  

7.0     Weniger Flächenverbrauch, geringere Mieten, kürzere Laufzeiten

Durch die Pandemie und auch danach werden die Mieten nicht mehr das Niveau von 2019 erreichen. Auch die Laufzeit der Mietverträge wird sich verkürzen, von durchschnittlich ehemals 10 Jahren auf 7 Jahre. Ebenso der Flächenbedarf der Mieter wird sich verkleinern.

Dieser Prozess wird sich besonders bei den Spitzenmieten in den Toplagen bemerkbar machen. Damit nehmen die Leerstände in guten Lagen zu und führen in der Folge zu einer allgemein sinkenden Attraktivität des Umfeldes. 

  • Als Antwort soll die Zauberformel „Mixed-Use“ helfen. Also der Versuch unterschiedliche Rendite und Assetklassen zu mixen. 

Wohnen beizumischen. Die Einkaufszentren haben damit erhebliche Probleme schnell und ohne große Umbauten dieses umzusetzen. Eine Herkulesaufgabe sowohl für die Stadtplanung als auch für die Immobilienwirtschaft diesen Prozess wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten. Letztlich sind davon ebenso die kreditgebenden Banken betroffen. Allen fehlt die Erfahrung, ob dieser Prozess erfolgreich sein wird. 

Der alte Immobilien Grundsatz Lage, Lage, gewinnt wieder an Bedeutung. Shopping-Center in B-Lagen und gerade in den Mittelzentren scheinen fast out zu sein und Investoren machen seit kurzem einen großen Bogen um diese Assetklasse und Lagen.

Der stationäre Handel wird in den Innenstädten nicht mehr dieselbe Bedeutung wie zuvor einnehmen. Seine neue Rolle, unter den verschiedenen Innenstadtnutzungen bei der Gewichtung des Attraktivitätsgrades, muss sich erst noch kristallisieren. Ähnlichkeiten zu den Bankgebäuden in den Innenstädten liegen fast auf der Hand, wo eine Bankfiliale nach der anderen geschlossen wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen: 

  • Das Mietenniveau sinkt, kürzere Vertragslaufzeiten, in der Summe weniger Mieter, eine kleinere Flächennachfrage, höhere Anforderungen an die Lagequalität und Umfeld und auch das Innenstadtambiente muss mehr denn je stimmen

8.0     Sind Zonierungen ein Ausweg?

Wie dramatisch das Leerstandsrisiko ist, zeigen neuere Umfragen, wonach etwa sich 40 Prozent der Befragten im Handel aktuell von einer Insolvenz bedroht fühlen. Wie könnte es nun weitergehen? 

Nach dem Ende des letzten harten Lockdowns, und immer wieder aufflackernden pandemischen Erscheinungen, wird vieles neu zu justieren sein. 

  • Vielleicht wird es Zonierungen geben. Also begrenzte Distrikte in denen bestimmte Freiheiten zugelassen sind. 

So wie es bereits heute der Fall ist, wo auf den stark frequentierten Straßen mit viel Publikumsverkehr Masken getragen werden müssen und es in den Seitenstraßen entfällt. Natürlich wäre dies alles viel differenzierter und auch die Controlling Systeme wären viel komplexer bis hin zu permanenten Einlasssystemen – jeweils dem individuellen Risikograd für den stationären Handel angepasst. 

Hier dürfte eine Innovationswelle an Sicherungssystemen auf uns zukommen. Heute werden Abwasser- Früherkennungssysteme als Indikator für den Virusnachweis in einer Region erforscht. Vieles könnte sich noch grundlegend ändern und im Laufe der Zeit zum täglichen Miteinander dazugehören. 

9.0     Exklusivität als Wettbewerbsfaktor

Es stellt sich die Frage, was ist an Veränderungen zu erwarten und worauf muss sich der stationäre Handel einstellen. 

  • Ganz oben an wird der Versuch stehen, sich über eine neue Form von „Mixed-Use-Allianzen“ am Markt gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Es wird darauf ankommen, bei diesen Allianzen Exklusivität zu vereinbaren. Also nur mit bestimmten Unternehmen exklusiv im Verbund zusammenzuarbeiten, um andere ausschließen. 
  • Des Weiteren muss der stationäre Handel den permanenten Prozess der Store-Revitalisierungen zügig weiter vorantreiben, um neue Attraktivität und vielschichtige Unterschiede zur Konkurrenz zu schaffen. 

In diesem Kontext fällt der Digitalisierung in jeder Ausprägung eine entscheidende Bedeutung zu. Im Gegensatz zum online Handel besitzt der stationäre Handel nur rudimentäre Daten über seine Kunden. Hier wird mehr geschehen müssen, um eine digitalbasierte Kundenbindung aufzubauen. Die Mischung von stationär und online aus einer Hand wird dabei entscheidend sein. Live Shopping auf Intergram reicht da nicht mehr aus. 

Es heißt wie immer bei den anstehenden Veränderungen, nicht aufzugeben, neugierig zu bleiben, (s)einer Passion nachzugehen, um Neues zu kreieren.

10.0    Welche Rolle können die Stadtverwaltungen übernehmen? 

Eines hat die Pandemie sicherlich gezeigt. 

  • Innenstädte, sofern es keinen stationären Handel mehr gibt, sind so wie heute konzipiert, öde. Ihre Funktion ist es aber, zur Kommunikation und Vielfalt einzuladen. Sie sollen Menschen zusammenbringen und sie interagieren lassen. 

Die Stadtplanung trägt die Verantwortung, einen Ausgleich zwischen den Akteuren zu steuern. Dabei geht es weniger um die schiere Quantität, sondern eher um eine Qualität im Angebotsmix. 

Großflächiger Handel erhöht nicht unbedingt den Attraktivitätswert in einer Innenstadt. Eine kooperative Zusammenarbeit ist wichtig, wobei die Privatwirtschaft gut beraten ist, weitgehend unabhängig zu bleiben. Denn die Zeiträume in der Politik, bis Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden, nehmen für die in der Regel dringenden und notwendigen Veränderungen im Handel viel zu viel Zeit in Anspruch. 

Sicherlich ist bei den Verantwortlichen in der Politik der Wunsch zur Willensbildung gegen eine Verödung der Innenstädte vorhanden, aber eine zeitnahe Umsetzung wird nicht garantiert werden können. Die Installation neuer Bürgerbeteiligungsmodelle sowie Steuerungsformen und ein extra daraufhin ausgerichtetes Transformationsmanagement sind ein guter Anfang. Doch ist das Zusammenspiel  bei dieser komplexeren,  unzählige Elemente umfassenden Funktionsvielfalt, wie es in den Innenstädten der Fall ist, eine der größten Herausforderungen an die Professionalität von Politik und Verwaltung. 

Allein die simple Frage, wem gehört die Stadt, dem Bürger? Welchem Bürger, dem jüngeren, dem Wohlhabenderen, den Einheimischen, den Zugereisten – dies lädt zum Nachdenken ein. Es bleibt die Kunst, im demokratischen Diskurs immer wieder von Neuen die Weichen zu stellen für weitsichtige Entscheidungen. 

11.0     Zwei große Tanker.

Die großen Warenhäuser und die Mega-Einkaufscentren sind Monolithen und eher singuläre Omnichannel Plattformkonzepte in der Innenstadt. Für sie gelten andere Gesetze. Zwar sind sie wichtige Frequenzbringer, aber es ist mit den alten architektonischen Konzepten eine Integration im städtischen Gefüge nur schwer zu leisten. Es wird spannend sein, welche neue Ansätze entwickelt werden können. 

  • Vielleicht wird es aufgrund der geringeren Shop-Nachfrage hier ebenso zum Mixed Use kommen, also Wohnen, Büro und Freizeitangebote wird dann in einem noch größeren Anteil beigemischt.

Innenstädte sind unsere großen Park-Hot-Spots. Doch hier dürfte es mittelfristig zu großen Veränderungen des Parkraumangebots kommen. Die Nachfrage wird durch neue Erschließungskonzepte, Carsharing und einen erweiterten digital basierte ÖPNV sich verändern. 

  • Die Bedeutung von Parkraum wird abnehmen. 

Gleichzeitig ist es die Voraussetzung für mehr verkehrsberuhigte Innenstadtzonen und einer deutlichen Zunahme von viel mehr Grün in den Innenstädten. Nicht nur grünbedachte Dächer, auch Straßenräume mit einer ganz anderen Qualität an Grün. Hinzukommen die heute vielerorts bereits etablierten neuen Grünkonzepte im Wohnbereich, wo auf den Dächern Obst und Gemüse wäschst. 

12.0    Welche Auswirkungen wird die Pandemie auf die Wirtschaftlichkeit des Standortes haben?

Unstrittig ist wohl ein Rückgang der Flächennachfrage in der City. Dies gilt sowohl für den stationären Handel als auch für die Büronachfrage. Es ist nicht zu übersehen, dass Home-Office Arbeitsplätze den Unternehmen einen viel größeren monetären Spielraum bieten. Sie können damit viel flexibler auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren.

  • In der Folge wird es in der Übergangsphase sinkende Erlöse für die Vermieter bedeuten. Insbesondere für die laufenden Projektentwicklungen ist damit die Kalkulation komplett neu zu justieren. Die Nachfrager werden sich in der Übergangsphase äußerst bedeckt verhalten. 

Gleiches gilt für die Kreditinstitute, die schon heute sehr restriktiv Kredite vergeben. Es wird zu Verkehrswertberichtigungen kommen, mit den üblichen Folgeerscheinungen, wie ggf. Eigenkapitalnachschuss oder Prolongation-Verweigerungen bis hin zu Kreditkündigungen. 

Es ist zu hoffen, dass nach einer Wiederöffnung der Handelsstandorte durch einen höheren Nachholbedarf vielleicht einiges kompensiert werden kann. Diesem zeitlich eher beschränkten Verhalten könnten jedoch massive Entlassungen aus anderen Branchen gegenüberstehen, die den Konsumenten eher zu einem mäßigen Kaufverhalten veranlassen können.

Es sollte zum Schluss nicht unerwähnt bleiben. Es ist nicht die einzige vulnerable Gruppe in unserer pandemischen Zeit. Das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe sowie die Veranstaltungs-, Kultur und Kunstszene sind nicht minder betroffen. Ebenso die Freizeit- und Reiseindustrie. Sie alle sind wichtiger Teil der Innenstädte und tragen zur Vielfalt und dem wirtschaftlichen Erfolg der Städte bei. 

Es bleibt ein komplexes und äußerst spannendes Thema und wären damit nicht persönliche Schicksale und Insolvenzen verbunden, dann würden wir viel entspannter und zukunftsorientierter neue Konzepte und Ideen prüfen können. 

Wolfgang Brüggemann
Februar 2021

DIE ZUKUNFT ANNEHMEN | DIE WENDE ZUM BESSEREN 2021 Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten sollten

Die Coronakrise ist omnipräsent. Wann glauben Sie, werden wir diese überwunden haben?

Überwunden ist ein großes Wort. Ich wünschte die Frage beantworten – vielleicht nur so viel: Ich denke, wir sind trotz Impfstoff mittendrin beim Durchkämpfen.

Kürzlich habe ich von einem international anerkannten Impfstoffexperten dazu nicht gerade beruhigendes gehört. Denn, dass mit dem alles Heil versprechenden Impfstoff ist wahrlich alles andere als vielversprechend. Es gibt nun zwar bereits einige Impfstoffe, aber damit gibt es bei weitem noch keine dauerhafte Immunität und in Kürze schon gar nicht für Alle, also ich meine wirklich weltweit. 

Die Sehnsucht nach einer dauerhaften weltweiten Immunität bleibt vorerst eine Art schöner Wach-Traum. Denn durch eine Impfung lässt sich der Virus zwar eindämmen, aber nicht einfach wieder loswerden. 

Wo lauert er noch? 

Auch von einer Mutation ist schon die Rede. Wenn das so ist, bedeutet es ein weiteres Umdenken. Also in wenigen Monaten zu hoffen, es wäre bald überstanden ist zwar verständlich, aber irgendwie fraglich.

Ich glaube man kann sich dem Corona Thema am besten dadurch nähern, indem wir davon ausgehen Corona wird noch für eine ganze Weile unser ungebetener Gast bleiben. Mit dieser, zwar unschönen Perspektive, lassen sich jedoch bevorstehende Veränderungen viel konsequenter vorausahnen und analysieren. 

Und wenn es dann hoffentlich nicht so heftig kommt, ist es weniger schlimm, aber es lässt sich dadurch viel konsequenter verfolgen. So gilt auch hier der gute alte Grundsatz die Dinge lieber bis zum Ende zu durchdenken. 

Sind die Auswirkungen von Corona vergleichbar mit der Finanzkrise in 2008/09?

Ich glaube nicht. Denn prinzipiell ist jede Krise anders. Ich bin kein Prophet, aber ich denke Corona ist ein anderer Warnschuss. Vielleicht ein Wendepunkt. Die Erholung der Weltwirtschaft dürfte länger dauern als im Zeitraum nach der globalen Finanzkrise 2008.

Unsere rasante Entwicklung der letzten Jahre schneller, weiter, größer, luxuriöser hat vielleicht durch Corona ein jähes Ende gefunden. Ein positiver Nebeneffekt ist die deutliche Reduzierung unseres Ressourcenverbrauchs. Denn der weltweite unsägliche Ressourcenabbau und die steigenden Co2-Werte stoßen mittlerweile an die Grenze. Seit dem 22. August 2020 verbrauchen wir rechnerisch mehr Ressourcen der Erde, das heißt wir erzeugen mehr Schadstoffe als unsere Erde wieder regenerieren kann. 

Wie heißt es doch so schön bei Sven Plöger, dem Wettermann von der ARD: „Zieht Euch warm an, es wird heiß.“  So kommt vieles zusammen, Pandemie, Climate Change/Co2, aber auch instabile politische Zeiten. Wahrlich eine Zeitenwende in mehrfacher Hinsicht. 

So ist es schon richtig, wenn es heißt die Corona Krise ist mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008/09 nicht zu vergleichen, sie ist eine sogenannte Tiefenkrise. Ich glaube die Finanzkrise war gegenüber Corona ein Spaziergang, auch wenn es für mache sehr steinig war und für einige sogar nicht zu bewältigen. 

Corona hat eine ganzandere Tiefendimension und es kommen parallel, wie erwähnt, weitere Verwerfungen hinzu, die für sich allein schon eine große Herausforderung wären. Ich denke dabei an den jetzt begonnen Brexit 2021 und die weiterhin fragile Situation der EU, dem hoffentlich bald zurückliegenden schwierigen Verhältnis der noch amtierenden US-Administration mit ihren Nato-Partnern, dem steten Abbau von Rechtsstaatlichkeit in einigen Ländern der EU, immerfort aufkeimenden Antisemitismus und nationalistischen Bestrebungen, einen bei weitem nicht geregelten Nahostkrieg in Syrien und Umland, unter Einbeziehen hegemonialer Großmachtavancen Ankaras für ein erneutes osmanisches Reich und nicht zuletzt eine Volksrepublik China, die mittlerweile ihre außenpolitische Doktrin verändert und dieses alles noch vor dem Hintergrund (möglicherweise eingeschränkt durch jüngste gesundheitliche Vermutungen) einer scheinbar endlosen Amtszeit des Präsidenten Putin, der mit Belarus eine gigantische Aufgabe im EU-Dialog zu bewältigen hat. – Also das Umfeld ist ein ganz anderes geworden als vor 12 Jahren. 

Das sich Corona durch nichts beeindrucken lässt, haben besonders die „lauten Kräfte“, angefangen vom brasilianischen Präsidenten, über den Russischen, wie ebenso die politischen Lenker der USA und Großbritanniens, zum Leidwesen ihrer Bürger verspüren müssen. Also unsere Corona Zeit trifft auf einen ganzanderen Hintergrund, wie wir ihn in der Finanzkrise vor 12 Jahren vorgefunden haben.

Diese weltweite Pandemie hat völlig unerwartet mit einem brutalen Hammerschlag begonnen und dann schleichend unser kulturelles Zusammenleben verändert. Vielleicht ist diese Krise auch unsere Chance, vieles neu zu justieren, also eine Werteverschiebung zu einem umweltbewussteren, ressourcenorientierten Handeln. 

Mag sein, vielleicht ist es nur ein Wunsch, aber sicher ist, so wie wir bisher gelebt haben, kann und wird es nicht weitergehen. Vieles wird anders. Vieles ungewohnt. Vieles aber auch besser. So wie es in den letzten Monaten zwar viele Verlierer gab, aber auch einige Gewinner. Gewiss ist aber, dass einiges zu einer grundlegenden Erneuerung von Wirtschaft und Gesellschaft führt – und das Rad dreht sich schon.

Was glauben Sie, können wir auf die Solidarität der Menschen zählen und warum trifft es eigentlich die Länder im Süden so viel stärker? 

Corona verschont keine Gesellschaftsschicht, auch wenn es unterschiedliche Intensitäten gibt. Jeder von uns geht mit dieser Bedrohung anders um. Im vergangenen Jahr wurde noch in eine Corona-Doku ein junger Mann gefragt, warum er keine Maske in der Bahn trägt. Ob es nicht unsolidarisch sei. „Nee, ich habe dazu einfach keine Lust“ kam als Antwort und weiter, „Ja ich habe mich schon mit Corona beschäftigt, aber es ist einfach zu lästig die Maske zu tragen“. Heute scheint sich da wohl schon etwas geändert zu haben, abgesehen von den absolut unverbesserlichen.

Ist es nicht ein ungeschminktes Aufdecken unserer gesellschaftlichen Realitäten. Wir haben alle unsere eigenen Vorstellungen, wie wir die Pandemie am besten besiegen. Aber eins ist sicher, ohne Solidarität wird es nicht gehen. 

Es ließen viele ähnliche Begebenheiten schildern. Jeder von uns könnte einen Beitrag aus seiner täglichen Beobachtung beisteuern. Ich möchte nur aufzeigen, Corona deckt sichtbar die Lern- wie auch die Solidaritätsbereitschaft in unserer Gesellschaft auf. Und das erschreckende daran ist, dass sich diese Versäumnisse nicht schnell in wenigen Monaten nachholen lassen. Ein einfach dazulernen ist eben nicht ohne weiteres möglich. Es braucht Zeit, letztlich ist es auch ein Ausdruck unseres kulturellen Verständnisses eines Miteinander. 

Die südlichen Länder in Europa sind besonders betroffen, denn ihre kulturellen Verhaltensweisen sind sehr schwer mit Corona zu vereinen. Wie lieben wir doch das quirlige, gestikulierende Leben in Italien, wo nicht nur lautstark ununterbrochen debattiert wird und mit ganzem Körpereinsatz die Argumente im wahrsten Sinne des Wortes hin und herfliegen und damit leider auch die Aerosole. In den südlichen Ländern ist man schlichtweg kulturell anders geprägt und vielleicht für eine Corona Abwehr benachteiligt und bräuchte eigentlich einen extra Bonus. Sie haben es besonders schwer ihre kulturellen Gepflogenheiten nach Umarmung und Nähe diesem ungebetenen Virus unterzuordnen. 

Corona und Kultur wird es einen Wandel aus Ihrer Sicht geben?

Der Virus wird unsere Verhaltensweisen, unsere Meme verändern. Händeschütteln so haben wir bereits alle gelernt, zeugt vom Gestrigen. Gekonnt heißt es heute eine galante freundliche Geste seinem Gegenüber zu zeigen. Trotz Maske sollten die Augen Sympathie ausstrahlen. Abstand gehört zum nonverbalen Code im Gespräch. Und wenn man unbedingt husten muss, heißt es sich umzudrehen und wenn nötig, ein bis zwei Schritte zur Seite zu treten. Vielleicht gibt es im Knigge Handbuch, um stilsicher durch die Welt zu kommen, bald eine Neuauflage mit Corona-Ergänzungen. 

Eigentlich ist es fast ein déjà vue. Heinrich Heine, der vermutlich an der Cholera in Paris gestorben ist, schrieb eindrucksvoll. Er ist fasziniert davon, wie fröhlich sich die Menschen in den Frühlingstagen 1832 auf den Pariser Boulevards tummelten und sogar, wie heute, die Furcht vor der Krankheit „verspotteten“. Man glaubte, wie man meinte aus London gehört zu haben, dass Cholera nur verhältnismäßig wenige, dahingerafft habe. 

Heine weint zum Schluss über die „Unglückliche“, sonst so lebendige Stadt Paris, die für ihn die „Stadt der Freiheit“ war. Epidemie und falsch verstandene Freiheit vertragen sich eben nicht, – damals wie heute. Er schreibt weiter: „Mehrere Abende sah man auf den Boulevards wenige Menschen und diese eilten schnell aneinander vorüber, die Hand oder ein Tuch vor dem Munde.“ Und er beobachtet, wie es die Menschen in ihren Verhaltensweisen untereinander verändert; das Schlechte hervorbringt. 

Möge es heute das Gegenteil sein, so wie wir es im Sommer in Italien mit den Solidaritätsbekundungen vieler Bürger auf den Balkonen gesehen haben. Aber sicher ist, Corona verändert vieles im Verhalten der Menschen und ihren Einstellungen. Werte und Ziele werden im Nachhinein vielleicht neu justiert sein. 

Also werden wir neu denken müssen?

Ich würde sagen Corona hat längst schon begonnen unser Leben auf fast allen Ebenen zu verändern. Corona dockt im wahrsten Sinn an unsere Institutionen an und wirkt auf alle gesellschaftlichen Strukturen ein. 

Auch Wohnen und Arbeiten müssen der neuen Realität angepasst werden – die Politik kommt da nicht immer schnell genug mit. Es ist eine mehrdimensionale Krise und gerade darin liegt auch ihre ungeheure Kraft, also ganzheitlich, mental, sozial und eben auch zuforderst ökonomisch zu wirken. 

Corona hinterlässt Spuren. Sie verändert unser Denken und Handeln und schafft ein neues Narrativ, so wie es zuvor jede Epidemie/Pandemie getan hat. Auch die Pest hat zu einem Umdenken im Mittelalter geführt. Nach der Pest war allen klar (erst 1894 erkannte man die Ursache der Pest), dass man sie nur durch Sauberkeit vermeiden würde. Die Folge war der Bau von Kanalisationen und eine neue entstehende „Abfallwirtschaft“. 

Es ist nicht neu, dass die Geschichte schon von jeher als beste Lehrmeisterin des Lebens gilt. Vielleicht ist Corona wieder ein so historischer Moment, an dem die Geschichte ihre Richtung ändert, und damit eine neue Realität entsteht. Das vor Kurzem noch gültige Wissen ist heute bereits zu einem alten Wissen degradiert. 

Neues Wissen soll nun neue Chancen eröffnen. Und somit entwickeln sich auch neue Kulturtechniken nicht nur indem man jetzt Videokonferenzen absolviert. Es beschleicht mich immer wieder der Gedanke, vielleicht war unsere Gesellschaft zu schnell und zu oberflächlich geworden und wir brauchten ein „reset“. 

Bereits heute sehen wir die Dinge vielfach anders. Mir sagte kürzlich ein Geschäftsführer einer internationalen Company, „Eines weiß ich, ich werde nie mehr bereit sein, für ein kurzes Treffen, um die halbe Welt zu fliegen.“ Doch wie die Zukunft aussehen wird, werden wir nie erfahren, denn es ist das Wesen der Zukunft, sie wird immer ein Mirakel bleiben, trotz aller Prognosen. Und man möchte hinzufügen, gut dass es so ist. 

Nun jede Krise birgt Chancen, aber auch nur dann, wenn wir aus ihr lernen den Wandel zu akzeptieren und ihn aktiv aufzunehmen, ihn weiter gestalten. Also Wachsamkeit ist das oberste Gebot, um die Krise optimal zu beherrschen. Was gibt es noch Spannenderes als zu erkennen, dass sich uns eine andere Zukunft eröffnet, die wir gestalten können und müssen. Und damit näheren wir uns unserer Aufgabe, jeweils in der Verantwortung, dort wo wir uns befinden. Wir müssen uns fragen, was wird bleiben, was wird neu sein, was müssen wir anders gestalten, aber auch was wird es nicht mehr in alter Form geben. 

Was bedeutet das neue Kapitel für Stadtentwicklung in Berlin?

Wenn ich heute durch die Berliner Innenstadt laufe habe ich schon fast das Gefühl Berlin hat sein Geschäftsmodell verloren. Es ist erschreckend. Aber nicht nur Berlin, auch Paris und London haben ebenso mächtig unter den Corona Auswirkungen zu kämpfen. Gerade sind die Hauptstädte mit ihrem höchstem Attraktivitätspotential davon heute besonders stark betroffen. Sie waren einst Hotspot im Tourismus. 

2019 gab es in Berlin, 34 Millionen Übernachtungen, in Paris sogar 38 Mio. Die drastische Reduzierung von Geschäftsreisen, besonders dem Wegfall der Messen, der diversen Veranstaltungen und nicht zuletzt auch Gastronomie und Kultur treffen die Hauptstädte, wie an keinen anderen Ort, so einschneidend. 

Arm aber sexy, so hieß es damals. Man möchte heute fast sagen arm und unsexy. Der plötzliche Ausfall an Steuereinnahmen ist nicht zu kompensieren, ganz abgesehen vom Verlust vieler Arbeitsplätze, gerade auch der Kurzzeitarbeitsplätze, kommende Insolvenzen in diesem Jahr 2021 und drastischer neuer sozialer Herausforderungen. 

Als ob es nun nicht bereits genug wäre, kommt der schon vor Corona begonnene Wandel im Einzelhandel hinzu. Einkaufszentren und Kaufhäuser gehören scheinbar einer verloren Epoche an. Auch die Büroflächennachfrage dürfte nach Umfragen in den Cities um 20% sinken. Wer nur noch einen Tag in der Woche ins Büro fährt, kann jetzt auch weiter außerhalb der Stadt im Grünen wohnen. Corona hat so manches auf den Kopf gestellt. 

Mittlerweile hat sich seit Beginn der Pandemie vieles neu arrangiert. Auch die Straßen haben sich wieder Individualverkehr gefüllt und Staus sind an der Tagesordnung, da Bahnen und Busse nicht mehr belegt sind. 

Welche Chancen wird Berlin noch haben? 

Keinesfalls darf in Panik verfallen werden, damit die negativen Folgen der Krise nicht ausufern. So bringen und brachten zum Beispiel Start Up Unternehmen die Chance für ein neues Wachstum. Sie sind erfreulicherweise häufig der New Economy zugewandt. Sie werden bald mehr denn je einen entscheidenden Beitrag in Berlin leisten. Sie bringen ein Neues Mix und damit Flexibilität und letztlich eine neue Stabilität. Ihre Innovationskraft ist gefordert, um nicht zuletzt auch junge Menschen in dieser Krisenzeit am Standort zu halten. 

Wie wird sich die Infrastruktur entwickeln? 

Vielleicht wird sie durch Corona sogar einen neuen, ganz anderen Schub bekommen. Wie erwähnt dürfte sich das Straßenbild komplett weiter verändern. Die ehemals überfüllten Vorortzüge sind heute nur noch spärlich besetzt, während sich der Pendelverkehr durch die überfüllten Straßen quält und in den Innenstädten Stopp an Go angesagt ist. Wer nicht muss, fährt heute nicht mehr Bahn. Das Defizit der Bahn AG spiegelt es anschaulich wider. Parkraum ist wieder äußerst knapp geworden. 

Aber das ist nur die erste Stufe der Veränderung. Wir werden bald weniger Verkehr in den Kern-Cities haben. Eine völlig neue Infrastruktur ohne Verbrennungsmotoren und Car Sharing wird vieles verändern. 

Neue Wohnformen. Neue Terrassenhäuser, mehr Grün und integrierte Homeoffice Arbeitsplätze wird das zukünftige Bild prägen.

Flagship Stores zur Produktpräsentation und Anlieferung über „Underground Kanäle“ zur Belieferung. Neue Corona sichere Veranstaltungsräume. Besondere 3D-Videopäsentationen und Hologramme im öffentlichen Raum. 

Wohin wird diese Reise gehen, was meinen Sie damit, ist es nur Utopie oder wird es bald Realität sein?

Es führt kein Weg daran vorbei Realitäten wahrzunehmen. Die Deutsche Wirtschaft ist zwar wieder mit dem dritten Quartal 2020 um 8,2 Prozent gewachsen. Das Vorkrisenniveau hat sie jedoch bis heute noch nicht wieder erreicht. Viele wirtschaftliche Prozesse haben sich auf die neuen Herausforderungen eingestellt oder befinden sich in einer tiefgreifenden Umstrukturierung. 

Die von der Pandemie besonders betroffenen Bereiche haben eine noch fast unlösbare Herausforderung vor sich. Es führt kein Weg mehr daran vorbei diesen Realitäten ins Auge zu sehen. 

Besonders die vom anhaltenden Lockdown betroffenen Assetklassen wie Hotel, Gastronomie, Sport- und Kulturstätten und indirekt die Einkaufszentren, geraten weiter immer stärker unter Druck. 

Der erhoffte Impfstoff steht zwar jetzt seit Jahresbeginn zur Verfügung und wird eingesetzt trotzdem wird sich die Corona-Pandemie in naher Zukunft damit nicht einfach auflösen. Vielmehr müssen wir mit den veränderten Realitäten lernen umzugehen, um nicht neue Krisen herbei zu locken. 

Bald dürften jedoch kaum noch liquide Rücklagen zur Verfügung stehen. 

Daher ist es notwendig jetzt, alternative Nutzungen für diese besonders stark betroffenen Assetklassen zu überprüfen und in einer konzertierten Aktion von Kreditgebern, Stadt, Mie-tern, Planern Re-Lunch-Prozesse einzuleiten. Denn gemeinsam geht vieles besser. Jetzt heißt es mehr denn je gemeinsame ressortübergreifende Initiativen zu ergreifen. 

Dabei gilt je früher umso besser und sich weder von einer kollektiven Panikmacherei noch einer kollektiven angstgetrieben Vernunft blockieren zu lassen. Besser ist es doch, aus den bisherigen Wirtschafts- und Gesellschaftskrisen zu lernen und sich an das Sprichwort zu halten „Erfahrung macht klug“. Eine schwerwiegende Krise muss nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Die Corona-Krise zwingt uns Konsequenzen zu ziehen. Dieses ist aber zugleich die Chance – auch kooperativ für Politik und Wirtschaft – unsere Gesellschaft neu zu gestalten und zukunftsfest zu machen. Neue Mechanismen sind gefragt.

Wir haben es seit Corona gespürt.

Die Co2-Werte sind in den Städten gesunken. Einkaufen sicherlich nicht mehr das Bild in der Stadt. Gebäudearchitektur und Plätze haben ihr Erscheinungsbild verändert. Fast wie Architekturmodelle wirkt es surreal. Eine Chance, neue Innenstädte mit unterschiedlichen Inhalten zu schaffen. Mehr Grün, mehr Kultur, mehr Freizeit, mehr Leben, weniger Einkaufen. #einkaufszentren

Crash or Cash THINK AHEAD | BE ALERT – wie schnell wachsen die Chancen

Obwohl täglich über Corona viel berichtet wird, fällt es schwer sich gedanklich von der aktuellen Situation zu befreien und vorauszudenken. Es ist aber sehr wichtig zu abstrahieren und in die nahe Zukunft zu blicken, denn bereits heute sind wichtige Entscheidungen zu treffen oder vorzubereiten. Auf dem Real Estate Sektor herrscht derzeit Verunsicherung, teilweise mit anhaltender Schockstarre. Abwarten scheint bei vielen Marktteilnehmern das Gebot der Stunde zu sein. Aber in der Krise gilt das Gegenteil: Es heißt Zeit nutzen, denn daraus lässt sich Erfolg für die Zukunft schaffen. Wir wollen genau hierauf unseren Fokus mit unserer Veranstaltung in Berlin im vierten Quartal 2020 legen. Zu schauen, wie sich der Immobilien- und Finanzmarkt zum Jahresanfang 2021 entwickeln wird. Dabei einen Überblick über die Märkte in Frankreich, Österreich, Schweiz und Luxemburg geben. Gemeinsam mit Petra #Mennong, Head of Wealth Management, der #Société Générale, wollen wir an unsere vorhergehende Veranstaltung im China Club in Berlin anknüpfen und mit ausgewählten Teilnehmern sprechen. Ein prominenter #Special Guest wird auf unserem „Hot chair“ als Interviewpartner uns seine Einschätzungen darlegen.

YOU WILL NEVER BE ALONE!

Die Entwicklung der letzten Monate weist leider auf einen deutlichen Anstieg zukünftiger Insolvenzen hin. Aktuelle Prognosen lassen die Erinnerung an unsere letzte Krise wieder wach werden. Seit 15 Jahren sind wir für Kreditinstitute im Risikomanagement tätig und arbeiten sehr eng mit internationalen „opportunity orientierten Investoren“ zusammen. Das Interesse an komplexen value add Investments ist mittlerweile stark gewachsen und wir erhalten diverse Anfragen zum Erwerb verschiedener Assetklassen. Auch ein Erwerb von Loans ist dabei möglich. Eine erfolgreiche stille Transaktion braucht eine umfassende Vendors Due Diligence und die zielgenaue Aufbereitung aller Perspektiven. You never walk alone, – von der Analyse zur Lösung. Die fachlich vertrauensvolle Moderation schafft parteiübergreifend den erforderlichen Zeitraum für ein optimales Ergebnis. Vom Konflikt zum Konsens. Wir haben in den vergangen Jahren im Riskmanagement für weit über eine Milliarde Transaktionen durchgeführt. Wenn besonders schwierige Projekte anstehen, würden wir uns über einen Austausch sehr freuen. Unser Ziel ist einzig und allein eine Insolvenzvermeidung. WIR SCHAFFEN WERTE.

Die Immobilienwirtschaft auf unsicherer Reise

Auch drei Wochen nach dem Shutdown ist der Immobilienmarkt wie eingefroren. Das einstige „Betongold“ beweist in diesen Zeiten wie immobil es ist. Die großen offenen Fonds tun sich schwer den rasanten Börsenverfall wegzustecken und zum Teil werden schon erste Auffanggesellschaften gegründet. Wichtig wäre jetzt für viele eine gründliche Potentialanalyse ihres Portfolios durchzuführen und drohende Risikopotentiale aufzuspüren. Denn Mieteinnahmen werden in den nächsten Monaten ganz oder teilweise bei einigen Assetklassen wegfallen.

So wie in der Krise 2008/2009 könnte wieder der Trend zu den alten Plattenbauten bei ausländischen Investoren hoch im Kurs stehen. Damals waren sie die Einzigen die bereit waren sie zu erwerben. Denn wenn steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit droht, dann sollte schon wenigsten die Miete niedrig sein. Auch kleinere Wohnungsgrößen stehen damit wieder im Fokus. 

Fast über Nacht wurden nahezu alle laufenden Vertragsverhandlungen über bevorstehende Immobilientransaktionen abgebrochen oder einfroren. Bereits unter Dach und Fach geglaubte Verkäufe wurden noch in letzter Sekunde abgesagt und Zahlungen gestoppt. Nicht nur der Verkauf der Fluglinie Condor ist davon betroffen. Wer in der Krise nicht kaufen muss, kauft heute vorerst nicht. 

Jetzt kommt es darauf an neue Lösungsansätze für die in Notgeraten zu schaffen. Investoren, Entwickler und Banken begreifen wieder einmal im gleichen Boot zu sitzen. Die hohen Verluste sehr vieler privater Anleger und kleiner Unternehmen tragen nicht gerade für eine positive Stimmung bei. Während die Großen über das Danach debattieren und Ihre Zeit erst noch kommen sehen, kämpfen die Kleinen ums Überleben. 

Die Privatverkäufe sind kurz danach um weit mehr als 12% eingebrochen und sinken weiter. Für die ersten leerstehenden Mietflächen sind jetzt zeitnah alternative Nutzungsideen gefragt. Bald werden wir leider erste Verödungstendenzen in den Innenstädten der Mittelstädte sehen. Dies gilt ganz besonders für die schon vor der Krise angeschlagenen Einkaufszentren. 

Es wird Hand in Hand mit dem Anstieg von Arbeitslosigkeit und weiterer Kurzarbeit einhergehen. In den USA war in nur wenigen Wochen ein Anstieg um 20 Millionen Arbeitslose zu beklagen; unvorstellbar in welch kurzer Zeit dies alles erfolgte. Bleibt nur zu hoffen, dass es sich andersherum ähnlich schnell wieder zum Positiven wendet. 

Nach dem Bauhauptverband trug 2018 das Baugewerbe „5,3 % zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Der Anteil des Bruttoinlandsproduktes, der für Bauinvestitionen verwendet wurde, war mit 10,3 % nahezu doppelt so hoch. Der Anteil des Baugewerbes an der gesamten Beschäftigung lag bei 5,6 %.“

Auf den heute noch laufendenden Baustellen ist zu beobachten, dass die Fertigstellungszeiten nicht mehr eingehalten werden können. Es fehlt durch die Schließung der Grenzen massiv an ausländischen Fachkräften. Auch die Zulieferung an Material ist nicht mehr gewiss. 

Schauen wir auf die Notare dann hören wir, dass kaum noch Termine gebucht werden. Wie war es da noch vor Kurzem. Gut wer rechtzeitig einen Termin geblockt hatte. Auch Google verzeichnet einen Rückgang bei der Suche nach Immobilienangeboten. 

Die adhoc Maßnahmen der Bundesregierung sind zwar zu befürworten, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Raten für Wohnungskredite nicht auf Dauer gestundet werden können. Es sind eng miteinander verflochtene Kettenglieder. Sobald ein Glied der Kette ausfällt, zieht es alle anderen Glieder der Kette in Mitleidenschaft. Fallen Mieten aus, dann ist in der Regel der Eigentümer in sehr kurzer Zeit durch den Kreditgeber dazu aufgerufen seine Eigenkapitalquote den neuen Risiken anzupassen. Zeitnah kommt es zu einer neuen Risikobewertung mit höheren Zinsen und einer gleichzeitig zu erhöhenden Eigenkapitalquote. 

In der Krise ist die Folge, dass die Eigentümer bestrebt sind schnell Kostenreduzierungen durchzuführen. Instandsetzungen fallen dann oft weg. Eine Reduzierung der Mieten oder einem gänzlichen Ausfall dieser bedeutet, dass sowohl Gewerbesteuer und in der Regel der Großteil der Nebenkosten weitgehend erhalten bleiben. 

So sortiert sich der Markt im Laufe der Zeit erst einmal neu. Wir wollen hoffen, dass uns die Pleitewelle, wie wir sie noch aus den Jahren 2008/2009 in Erinnerung haben, nicht wieder in der gleichen Höhe erreicht und die vielen pessimistischen Aussagen einer historisch heute noch viel größeren neuen Pleitewelle sich nicht bewahrheitet.

Doch viel schlimmer trifft es wahrscheinlich den Einzelhandel, ausgenommen der Lebensmittelbereich. Der Leerstand dürfte hier in den nächsten Monaten für uns alle deutlich sichtbar werden. 

Steigen die Risiken für die Finanzierung, so ist zu erwarten, dass die Zinsen, die sich heute auf einem historischen Tiefstand befinden, langsam aber sicher, wieder steigen werden. Höhere Zinsen führen jedoch zu einer Entwertung der Immobilie. Immobilien Besitzer dürfen deshalb mit Recht besorgt sein. Werden Finanzierungen in den nächsten Jahren teurer, dann werden aller Wahrscheinlichkeit auch die Immobilienpreise sinken. Parallel dazu wird die Staatsverschuldung ein unvorstellbar hohes Maß erreichen. Je mehr Verschuldungsquote der Staat in den nächsten Monaten erreicht, umso mehr wächst das Risiko einer parallel dazu einhergehenden Geldentwertung. 

Diejenigen, die noch über genügend Kapital verfügen, werden in einer solchen Krise davon profitieren. Ihre Chancen steigen dann zu einem günstigen Zeitpunkt einkaufen zu können, somit steckt Corona eben auch Immobilien an. 

Wir dürfen aber auch nicht übersehen, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren einen astronomischen Wertzuwachs zu verzeichnen hatten. Auch ohne Corona war der Pick aller Wahrscheinlichkeit bereits erreicht, wenn nicht sogar überschritten. 

Der Absturz an der Börse war für die Wohnungsaktiengesellschaften eigentlich noch relativ moderat. Die Deutsche Wohnen haben an der Börse zwischen 10-15 % verloren. Dagegen hat Roundtown mit seinem vorwiegenden Hotel- und Büroportfolio seinen Börsenwert nahezu halbiert. Auch in China können wir einen starken Rückgang der Verkäufe feststellen. In China hatte sich der Immobilienmarkt in den großen Megastädten in den letzten Jahren deutlich überhitzt.

Derzeit sind Immobilienfinanzierungen in Deutschland um ungefähr ein Fünftel gesunken. Neue Projekte haben sogar um die Hälfte abgenommen. Corona trifft alle Assetklassen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, aber eben weltweit. So gibt es keinen Ausweichmarkt sowie damals in der Bankenkrise. Hier ist der gesamte Weltmarkt von einem Shutdown betroffen.

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Gesellschaftsformen, von liberalen Gesellschaften zum Teil mit Föderalismushintergrund wie in Deutschland, gegen staatlich gelenkte Gesellschaftsordnungen in dieser Krise behaupten werden. So ist es auch eine Systembewährung dieser Gesellschaftsordnungen. 

Sicherlich dürfte in einer freien Gesellschaft, ganz besonders die Vielzahl der Kreativitätspotentiale hilfreich sein. Auch wird es von Bedeutung sein zu sehen, wie sich in einer solchen Krise Solidarität und Stabilität in diesen unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen behaupten wird. Es wird auch darauf ankommen den Willen des Einzelnen zu fördernden, um etwas wieder zum Besseren durch sein unmittelbares Zutun zu verändern. Also die Kraft des Einzelnen wird sehr viel mehr zum Vorschein treten, da der Einzelne unmittelbar davon profitieren kann, letztlich um etwas Neues anzufangen und die Dinge wieder voranzubringen.

Doch zunächst werden wir mit einer bevorstehenden Insolvenzwelle und massiven Kreditausfällen rechnen müssen. Kommt es zu einer globalen Insolvenz, dann gelten die alten bekannten Regeln für Einpersonenhaushalte mit einem Ausfallrisiko von 100.000 € und bei Ehepaaren bis zu 200.000 €. Dabei werden jedoch auch die Bankschließfächer in die Betrachtung mit einbezogen. Kommt es zu einer Insolvenz der Bank, wird schon Im Vorwege, im Fall eines sogenannten Moratoriums, also die Vorstufe einer Insolvenz, die Schließung der Bankschließfächer angeordnet. Somit sind Bankschließfächer in einem solchen Fall keineswegs sicher. 

Es darf nicht übersehen werden, dass die Kreditvergabe, trotz staatlicher Hilfe, auch in diesem Corona-Zeiten einzig und allein der kreditgebenden Bank obliegt. 

Es ist wieder die Zeit der steigenden Kluft zwischen Arm und Reich. Nicht wenige Experten meinen, dass diese Corona-Krise weit über 5 % des BIP kosten wird und damit sehr viel umfangreicher ist als die Bankenkrise 2008/2009. Wie erwähnt, haben wir vielleicht parallel zur Bewältigung der Krise eine ganz andere Dimension, nämlich einen Systemwettbewerb zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen. 

Die Chinesen haben in einer ganz bestimmten Art und Weise auf diese Krise reagiert. Bei uns läuft dieses alles sehr viel differenzierter und man könnte dieses auch so formulieren, ein heterogenes koordiniertes positives sich verbesserndes Zusammenarbeiten. In diktatorischen Systemen sind die Entscheidungsabläufe dagegen sehr viel kürzer. Es gibt auch keine ausgeprägte kritische öffentliche Meinung. Insofern mögen die Durchgriffsmöglichkeiten in einem solchen System natürlich zunächst sehr viel größer sein. In unserem Gesellschaftssystem ist die Eigenverantwortung des Menschen dagegen sehr viel mehr gefordert und sie spielt eine sehr viel größere Rolle. Vorausgesetzt die Menschen sind auch bereit diese Verantwortung zu übernehmen. Doch bereits in den zurückliegenden wenigen Wochen hat man dieses erkennen können.

Wunderbare Kreativität

Welch wunderbare Kreativität wird heute von New York bis Berlin über Italien bis Frankreich und in den vielen, vielen weiteren Stätten der Welt freigesetzt. Es ist großartig in unseren liberalen Gesellschaften den starken Willen zu sehen selbst das Zepter in die Hand zu nehmen. Zu wissen, was Nottut. Zu wissen, wo unmittelbare Hilfe gebraucht wird. Nicht ausschließlich auf eine Administration zu warten, sondern selbst anzupacken. Auch ohne Regeln und fremde Anweisungen Solidarität zu geben. Unsere Vielfalt des Handelns ist unser besonderes Pré. Es gibt Zuversicht und darf uns mit Stolz erfüllen. Wenn wir diese Krise als eine weltweite Herausforderung wahrnehmen, wird Solidarität über imaginiere Grenzen hinweg wachsen. Nicht der „Eine“ sollte alles zentral Regeln wollen. Unsere Freiheit in der Gemeinschaft und die Verantwortung zum Erhalt Dieser, bleibt Richtschnur für den Erfolg.